Geschichte der »Bremer Chorwerkstatt«

»Die Bremer Chorwerkstatt «

Die Bremer Chorwerkstatt wurde im Herbst 1981 von einer Gruppe gesellschaftlich engagierter sangesfreudiger Menschen unter der musikalischen Leitung von Manfred Seidl gegründet. Auf dem Kulturspektakel "Weserlust" hatte man zuvor mit einem Laienkabaret auf die Berufsverbote aufmerksam gemacht und daraufhin nachhaltig "Lust auf Chor" verspürt. An die Öffentlichkeit trat der gemischte Chor dann bei Friedensfesten und Lateinamerika Veranstaltungen, gelegentlich auch zum 1.Mai oder zum 1.September. Es gab aber auch Konzerte mit klassischer oder avantgardistischer Musik. Einer der Höhepunkte unter der Leitung von Manfred Seidel war die Aufführung des Canto General von Mikis Theodorakis (Musik) / Pablo Neruda (Text) 1988 im Bremer Dom. 1989 verliess uns Manfred und wir mussten uns neu orientieren.

Die neue Chorleiterin Ortrud Staude brachte Musik von Komponistinnen, jazziges und und anderes als neue Elemente in die Chorarbeit ein, hielt es aber nur ein Jahr mit uns aus.

1990 übernahm dann Sigrid Schüller , ein ehemaliges Gründungsmitglied der Bremer Chorwerkstatt, die musikalische Leitung. 1993 erarbeiteten wir ein Programm zur Sozialgeschichte des Kaffees und führten dies im Bremer Überseemuseum und während einer alternativen Hafenrundfahrt auf. 1994 führten wir die Misa Criolla von Ariel Ramirez gemeinsam mit der Gruppe Argus und chilenischen Musikern in der Liebfrauenkirche Bremen und im Haus im Park auf. Das Jahr 1995 stand dann für den Chor im Zeichen des 50jährigen Gedenkens an das Kriegsende, mit Beiträgen in der Kunsthalle und auf dem Bremer Marktplatz. 1996 eröffnete ein Konzert zur Geschichte der Arbeiterchöre (Haus im Park) eine Reigen von Jubiläumskonzerten: (15 Jahre Bremer Chorwerkstatt Nov.1996) und 50 Jahre Deutscher Allgemeiner Sängerbund (früher Arbeitersängerbund)(09.03.1997 in der Glocke).

Am 03.10.1997 unterstützte der Chor das Künstler Projekt Fluchtzeiten (Schlachthof) und am 09.11.1997 eine Gedenkfeier der Immanuel Gemeinde in Bremen Walle zur Reichsprogromnacht. Am 25.01.1998 unterstützten wir mit einem musikalischen Beitrag die Eröffnung der Austellung Flucht in der Bremer Friedensgemeinde.

Ein musikalisches Ereignis der Jahre 1998/1999 war die mehrfache Aufführung des von uns erarbeiteten Programms und sie komponieren doch * mit Chormusik von Komponistinnen aus neun Jahrhunderten. Der Reigen reichte von Hildegard von Bingen bis zur zeitgenössischen gewerkschaftlich orientierten Komponistin Annegret Keller. Seit 1995 hatten wir für dieses Projekt recherchiert und viele unbekannte Tonschätze aus Archiven und Musikbibliotheken zutage gefördert.

Renate Schraps, seit Sommer 1999 die Leiterin der Bremer Chorwerkstatt, erarbeitete mit uns Lieder des jüdischen Widerstands und einen Teil ddes Oratoriums zum Gedenken an die Opfer des Völkermordes in Armenien 1915 welches wir im Rahmen des Programmes Stimmen gegen das Vergessen 1999 und 2000 mehrfach in Bremen und Oldenburg aufführten. Im Sommer 2000 nahmen wir an einem internationalen und einem lokalen Chöretreffen teil. Im Frühjahr 2001 wiederholten wir Teile des Armenischen Oratoriums in einem Gedenkkonzert Gekommen um zu schweigen. Das letzte Konzertprojekt mit Renate Schraps war eine musikalische Kollage zum Thema Geld am 24.06.2001.

Im September 2001 übernahm Larissa Herdt die musikalische Leitung. Mit ihr feierten wir dann unser 20 jähriges Chorjubiläum und unterstützen im Jahre 2001/2002 Konzerte der Initiative zivilCHORage***(Chöre singen gegen rechte Gewalt). 2003 erarbeiteten wir das Programm "Komm Zigany - Aven Rom" mit Liedern über "Zigeuner" und Musik der Sinti und Roma, welches wir anlässlich der 60-jährigen Vertreibung von Sinti und Roma durch die Nazis (1943) und zu Bleiberechtsveranstaltungen Bremer und Niedersächsischer Flüchtlingsräte mehrfach aufführten.

Highlights des Jahres 2004 waren ein Gemeinschaftskonzert mit dem cubanischen Chor Vocal Leo und dem Bremer Buchtstraßenchor, und leider auch das Abschiedskonzert von Larissa Herdt unter dem Titel "4 Stagioni" bei dem wir unter anderem Lieder mit Texten von Federico Garcia Lorca sangen.

Im Dezember wählten wir Christian Höffling zum neuen musikalischen Leiter. Mit ihm nahmen wir 2005 das Armenische Oratorium wieder in die Proben auf, leisteten am 24.April einen musikalischen Beitrag zur Errichtung eines Armenischen Gedenksteins (Chatschkar) am Ende der Bremer Parkstraße, und führten am 19.+ 20. November schließlich das Armenische Oratorium zusammen mit türkischen und kurdischen Liedern in der Kirche unser Lieben Frauen auf. Als Gast sang der Russisch-Georgische Chor Groningen armenische Lieder von Komitas, und Grigor Osmanian spielte auf dem Bajan.

Im Jahr 2006 engagieren wir uns für die Bremer Aktion "Stolpersteine" und feierten im Oktober unser 25-jähriges Jubiläum mit dem Retrokonzert "Ach du liebe Zeit", in dem wir musikalischen Spuren "aus der Vorzeit unserer Chorzeit" nachgingen. Ein Open Air Konzert gegen den Nazimarsch in Walle wurde uns im November vom Verwaltungsgericht verboten.

Im März 2007 sangen wir das Armenische Oratorium in Berlin (Luisenkirche), wiederum mit dem russisch-georgischen Chor und Grigor Osmanian als Gäste, setzten im Mai "unseren" Stolperstein für Adolf Goldberg in der Bremer Schildstraße und schlossen das Jahr mit musikalischen Beiträgen zum Bremer Sozialforum (September) und zum Solidaritätsbasar (November).

Unser großes Konzertprojekt 2008 stand unter dem Motto Den Kindern eine bessere Welt. Wir führten es im Juni mit Musik- und Theatergruppen von Kindern und Jugendlichen sowie einer Jazzkombo auf mehreren Bühnen in der Friedensgemeinde auf.

Im Oktober feierten wir und 8 weitere politisch orientierte Chöre den 30.Geburtstag des Oldenburger Chors Bundschuh mit einem Gemeinschaftskonzert im dortigen Staatstheater.

Zum Maifeiertag 2009 sangen wir seit langem einmal wieder auf dem Bremer Domshof, und zwar zur Zentralkundgebung des DGB (in den Jahren 1998-2007 hatten wir 5 Mal beim traditionellen Maisingen in Worpswede mitgemacht). Unser musikalische Revue "Vom Fliegen" präsentierten wir im Oktober im Bremer Flughafen, der gerade 100 Jahre alt geworden war. Wir erweiterten dieses Projekt um das Thema Raumfahrt und machten damit im Juni 2010 zwei weitere schöne Konzerte (Schlachthof Bremen und Kulturbahnhof Vegesack).

Das Jahr 2011 stand ganz im Zeichen unseres 30jährigen Jubiläums, das wir mit sechs befreundeten Chören und vielen Gästen im November in der Friedensgemeinde feierten, in der wir nun schon 15 Jahre "zuhause" sind.

Im Frühjahr 2011 hatten wir bereits zur Bremer Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus gesungen (Obere Rathaushalle) und ein Gemeinschaftskonzert der Aktion "zivilCHORage" unterstützt (Bremer Schlachthof). Im September sangen wir in der Reihe "Zwischen Himmel und Erde" ein sonntägliches Konzert in der Friedhofskapelle Riensberg

Am 25.01.2012 sangen wir erneut auf der zentralen Gedenkfeier in Bremen für die Opfer des Nationalsozialismus (Obere Rathaushalle).

Im weiteren Verlauf des Jahres 2012 werden wir unter dem Motto "schrittweise" 3 Gemeinschaftskonzerte mit dem 4Mei Projekt Groningen und dem Oldenburger Chor Bundschuh singen (in Oldenburg, Groningen und Bremen) und im Oktober dann unser neues Programm zum Thema "Wasser" präsentieren (Altes Pumpwerk Bremen und Stadtkirche Vegesack). Leider wird uns unser langjähriger Leiter Christian Höffling danach verlassen, um in Berlin eine neue Heimat zu finden.

*aus "..sie komponieren doch" können sie hier das Lied "Keine Zeit (von Annegret Keller)" als mp3 Datei (1,9MB) downloaden und anhören<

keine Zeit

>***aus "zivilCHORage" können sie hier das Lied "Rückkehr zur Natur (von Kurt Tucholsky)" als mp3 Datei (1,1MB) downloaden und anhören<

Rückkehr zur Natur

Die Bremer Chorwerkstatt probt wöchentlich Montags von 19.30 bis 22.00 Uhr in den Räumen der »Bremer Friedensgemeinde«, Humboldtstr. 175.

Bei uns grünt und blüht es!